Sie sind hier: AFS-Komitee Marburg > Das Komitee > Awayees > 

Sobald man ins Ausland geht, wird man vom "Hopee" zum "Awayee". Dieser Status beschreibt die Phase im Gastland in der Gastfamilie.

Weihnachts- und Silvesterberichte 2016/17

Weihnachten In Panama

Weihnachten in Panama unterscheidet sich sehr von Weihnachten in Deutschland. Das durfte ich schon früh feststellen, am ersten Advent. In meiner Familie in Deutschland sind die Adventssonntage immer etwas Besonderes. Nachmittags sitzen wir bei einer Tasse Kaffee oder Tee, Plätzchen und Christstollen gemütlich vor dem Ofen, während draußen oft winterliche Temperaturen herrschen. Hier in Panama endet im Dezember die Regenzeit und der „Sommer“ – d. h. die Trockenzeit – beginnt. Das heißt, dass es statt 30 Grad Celsius täglich mit Regenschauern (bei denen es sich auf ca. 26 Grad abkühlt), 33 Grad und den ganzen Tag Sonnenschein mit ein paar Wolken warm ist. Die Adventszeit gibt es in der Form wie in Deutschland nicht. Adventskränze und Adventskalender sind eher ungebräuchlich. Dafür sind alle Malls, darunter die Albrookmall, das größte Einkaufszentrum Lateinamerikas, und Attraktionen wie die Cinta Costera mit vielen bunten Lichtern, Weihnachtsbäumen, Rentierschlitten und künstlichem Schnee geschmückt. Die Cinta Costera ist ein 35 Hektar großer Küstenstreifen mit vielen Freizeit- und Grünflächen, der das moderne Punta Paitilla, wo es riesigen Wolkenkratzer gibt, mit der Altstadt von Panama City verbindet. Bekannte Songs wie „Last Christmas“ von Wham! laufen pausenlos und überall. Es gibt sogar einige Schlittschuhbahnen. Man merkt bei den Weihnachtstraditionen den Einfluss der USA deutlich. So bringt zum Beispiel nicht das Christkind, sondern Santa Claus die Geschenke, und alles ist eher bunt beleuchtet und laut als besinnlich und ruhig. Auch die Häuser werden fleißig mit Lichtern geschmückt. In den meisten Familien gibt es wie bei uns einen Weihnachtsbaum. Traditionell gehört zu den Weihnachtsvorbereitungen in Panama das Streichen der Innenräume, was bei den herrschenden Temperaturen wirklich anstrengend sein kann.

 

Der 24. Dezember, Heiligabend, kam dann ziemlich schnell. Weihnachtsstimmung hatte ich leider noch überhaupt nicht, was vor allem an der Hitze lag. Tagsüber war der Tag wie jeder andere auch. Mittags machten sich meine Gasteltern auf, um für das Weihnachtsessen einzukaufen  Truthahn, Schinken, Platano (Kochbanane), Reis mit Guandu-Bohnen, Tamales und Kartoffelsalat. Bei Tamales handelt es sich um eine Masse aus Mais, Gemüse, Gewürzen und Hühnchen, die in Palmenblätter gewickelt und gekocht wird. Getrunken werden Softdrinks wie Cola, in vielen panamaischen Familien gehört aber auch Alkohol zum Festessen. Um 22 Uhr gehen alle Einheimischen in die Kirche. Der Gottesdienst – meine Gastfamilie ist evangelisch, der Großteil der Bevölkerung aber katholisch – war nicht sehr viel anders als sonst. Allerdings war die Stimmung besonders feierlich und es wurde viel gesungen. Nach dem Gottesdienst wurde das Essen vorbereitet, das allerdings erst um Mitternacht gereicht wird. In der Zwischenzeit stehen Trauben, Äpfel und Orangen zum Naschen bereit, die bei keiner größeren Feier fehlen.

Beim Essen saßen wir alle gemeinsam am Tisch. Als erstes wurde die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorgelesen. Anschließend beteten wir. Nachdem wir mit dem Essen fertig waren, bekam ich einen kleinen Schock. Statt dem besinnlichen Fest, wie ich es von zuhause kenne, gab es ein großes Feuerwerk. Alle gingen auf die Straße und wünschten sich „Feliz Navidad“ (Frohe Weihnachten). Das erinnert eher an Silvester in Deutschland, wo man sich um 0 Uhr ein frohes neues Jahr wünscht. Anschließend haben wir die Geschenke ausgepackt. Später erklang, wie so oft in Panama, laute Latino-Musik.

Man geht in der Christnacht erst sehr spät schlafen. Der 25. Dezember ist wie bei uns ein Feiertag (allerdings der einzige), den viele Familien für Ausflüge oder ein gemütliches Beisammensein nutzen. Wir haben uns gemeinsam einen Film angeschaut. Das Essen war ähnlich wie an Heiligabend, wobei zusätzlich noch Jamón – Schinken – gereicht wurde.

Mir hat dieses ganz andere Weihnachten gut gefallen. Die fröhliche Stimmung hilft

sehr dabei, das in den Tagen vor dem Fest doch schnell aufkeimende Heimweh zu überwinden. Doch auch wenn ich mich wieder auf das nächste Weihnachtsfest freue, war die Erfahrung, diese Zeit ganz anders zu erleben, einfach toll.

 

Mattis

Weihnachten in Costa Rica

Hola, ich verbringe momentan ein Jahr im wunderschönen Costa Rica. Hier ist Weihnachten eine ähnlich große Sache wie in Deutschland. Weihnachtsbäume, Hausdekorationen, der Weihnachtsmann - allerdings bei 25 Grad. Die meisten haben noch nie Schnee gesehen. Ich habe gar nicht wirklich realisiert, dass es eigentlich Winter sein sollte. Am 24. und 25. Dezember haben wir mit jeweils verschiedenen Teilen der Familie gefeiert; auch wenn es eher an ein normales Beisammensein erinnert hat, da Ticos zu jedem Anlass und auch ohne Anlass feiern, nur diesmal mit Geschenken. Diese haben wir dann am Morgen des 25. unter dem Weihnachtsbaum gefunden und gemütlich in Pyjamas ausgepackt. 

Mein Weihnachten am anderen Ende der Welt war ein einmaliges Erlebnis, welches ich niemals vergessen werde und ich bin jeden Tag aufs Neue glücklich darüber, hier in Costa Rica zu sein. 

Charlotte

Weihnachten und Silvester in Portugal

Die Adventszeit gibt es in Portugal so gut wie gar nicht. Der Tannenbaum steht zwar schon geschmückt seit dem 13.11 (was ich persönlich ziemlich früh finde) und es gibt auch einen Adventskalender, aber die Adventssonntage sowie Nikolaus sind hier ganz normale Tage. Vor allem das am 6. Dezember so gar nichts Besonderes sein sollte, war für mich doch ein bisschen zu komisch, sodass ich Nikolaus in meiner Familie eingeführt habe. Ihnen hat das sehr gut gefallen und sie werden in den folgenden Jahren weiterhin Nikolaus feiern. Dann kam auch schon relativ schnell Weihnachten, wo die ganze Familie gegen Nachmittag zusammengekommen ist. Um 20:00 Uhr haben wir angefangen mit essen, es gab das typisch portugiesische Weihnachtsessen Bacalhau cozida(gekochter Kabeljau) mit einer Art Kohl, Kartoffeln und Ei. Danach durften die Kinder die ersten Geschenke auspacken, während die Erwachsenen schon mit dem Nachtisch angefangen haben. Generell die ganze Weihnachtszeit war ja schon nicht sehr besinnlich, so war auch am Weihnachtsabend eigentlich nichts besinnliches. Die Geschenke wurden durcheinander vergeben, es wurden überhaupt keine Lieder gesungen und es gab überhaupt keinen Bezug zur Weihnachtsgeschichte. Weihnachten in Portugal ist quasi essen und Geschenke vergeben. An Sylvester gibt es das Feuerwerk nur in der Stadt, denn für zuhause sind Raketen etc. nicht erhältlich. Ich habe mich dann mit anderen AFSern in der Stadt getroffen und das Feuerwerk angeguckt. Wir konnten es aber nur zur Hälfte sehen, da auf dem Platz mehr als 100.000 Leute versammelt waren und wir uns von hinter der Hausecken nicht mehr wegbewegen konnten. Danach sind wir noch bis 4.00 Uhr nachts in der Stadt geblieben und dann nach Hause gefahren. Alles in allem waren beide Feste sehr schön und vor allem Sylvester war in einer so großen Menge die den Countdown runterzählt schon ein einzigartiges Erlebnis.                            

Viele Grüße aus Portugal, Hendrik

Weihnachten in den USA

Mein Weihnachten in den USA war sehr schön, aber der Unterschied zu Deutschland war nicht sehr groß. Mein Gastvater musste am 25. Arbeiten, weil er Polizist ist. Deshalb gab es auch bei uns die Geschenke an Heiligabend und nicht wie sonst in den USA am 25. Wir hatten Besuch von den Kindern und Enkelkindern meiner Gasteltern. Zum Essen gab es Spaghetti, das war etwas ungewöhnlich für Weihnachten. Zum Glück haben die Pittsburgh Steelers es an diesem Abend in die Playoffs geschafft, sonst wäre Weihnachten nur halb so gut gewesen. Am nächsten Tag bin ich mit meiner Gastmutter in die Kirche gegangen  und am 26, war Weihnachten praktisch schon wieder vorbei. Es hat sich zwar etwas komisch angefühlt ohne meine Familie Weihnachten zu feiern, aber es war trotzdem sehr schön.

Es war sehr komisch für mich, das erste Mal Silvester ohne Feuerwerk zu erleben. Es gibt zwar Feuerwerk und große Partys in den Großstädten, aber hier in Iowa war davon nicht viel zusehen. In der gesamten Stadt war es ruhig um Mitternacht. Meine Gasteltern haben schon geschlafen und auch von meinen Freunden hat keiner eine Party oder ähnliches gemacht. 

 

Niko

Weihnachten und Silvester in Indonesien

Die Feiertage waren eine besondere Erfahrung für mich. Mein Weihnachten habe ich mit zwei von meinen Freunden von AFS verbracht. Weil in meiner Familie alle Moslems sind, bin ich mit der christlichen Gastfamilie von der Italienerin in meiner Stadt zu Weihnachten zu deren Verwandten aufs Dorf gefahren. Viele Menschen hier sind sehr religiös. In den Tagen dort sind wir jeden Tag in den Gottesdienst gegangen. Ich habe leider nichts verstanden, weil im Gottesdienst nicht Indonesisch gesprochen wurde sondern Batak. Die traditionelle Sprache aus dieser Region. Es war aber trotzdem sehr interessant. Es ist schön zu sehen, dass auch hier an Weihnachten die Familie zum Feiern zusammenkommt. Hier ist es nicht üblich, dass man sich etwas schenkt. Wir sind an einem Tag zwei Stunden zu einem Ort gefahren, der mitten im Nirgendwo liegt, um Ananas zu essen. Dann sind wir wieder zwei Stunden zurückgefahren. An Heiligabend sind wir in die Kirche gegangen. Wir haben alle unsere besten Klamotten angezogen. Für die Frauen heißt das meistens eine indonesische Kebaya. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich meine Kebaya tragen kann. Nach der Kirche haben wir noch alle zusammen gegessen. Das war mein erstes und wahrscheinlich auch letztes Mal, dass ich in Indonesien Schwein gegessen habe, weil man das normalerweise nirgendwo essen kann. Das liegt daran, dass die meisten Indonesier Moslems sind. Am nächsten Morgen war dann der wirkliche Gottesdienst. Das hat bestimmt vier Stunden gedauert und ohne ein Wort zu verstehen war es sehr anstrengend, aber trotzdem eine Erfahrung wert.

In diesen Tagen habe ich sehr viel Neues kennengelernt. Ich habe mein erstes Mal eine echte Ananaspflanze gesehen und auch Kakao gepflückt. In einer Großstadt wie Medan kann man so etwas leider nicht sehen. Dafür hat Medan aber einen Palast und eine riesige Moschee. Generell sieht und hört man überall die vielen Moscheen.

Silvester habe ich dann aber mit meiner Gastfamilie verbracht. Meine Mutter hat ein Restaurant, wo dann Mitarbeiter Musik gespielt haben. Wir haben getanzt und gesungen und um Mitternacht gab es überall in der Stadt Feuerwerk. Es war sehr schön, aber es war auch etwas befremdlich, weil nach einer Viertelstunde schon alle auf dem Heimweg waren. Ich bin aber auch froh, dass ich Silvester nicht nochmal mit der Gastfamilie von meiner Freundin gefeiert habe. Hier ist es nämlich meistens so, dass Christen die Nacht bis ins neue Jahr beten.

Leonie

Weihnachten in Bolivien

Ich bin Bolivien, in einer Großstadt, in Cochbamba, so groß wie Frankfurt. Richtig dunkel ist es nie, die Straßenlaternen leuchten immer und gehen nicht wie bei mir Zuhause um 2 Uhr Nachts aus. Aber während der Weihnachtszeit leuchtete die Stadt noch mehr.

 Die schlimmste Zeit die ich bis jetzt erlebt habe ist die Weihnachtszeit. Die Zeit wo man bei seiner Familie ist. Wo man weiß wie es abläuft. Die Wochen vor Weihnachten waren schon anders. Es war warm, mehr als 30°C, es war Sommer und das machte es noch weniger weihnachtlich. Zwischendurch schätzte ich meine Weihnachtsstimmung auf -10/10. Wir hatten Ende November schon den Plastik-Weihnachtsbaum im Wohnzimmer stehen. Zum 1. Dezember habe ich meiner Gastschwester einen Adventskalender gemacht, den hier keiner wirklich kennt. Man findet zwar teure Schokokalender im Supermarkt, die kauft aber keiner, weil man es nicht kennt. Genauso habe ich einen Adventskranz auf unserm Esstisch gesehen, den aber auch niemand benutzt hat. Dann kam ich auf die tolle Idee Weihnachtsplätzchen zu backen, mit einer Freundin. Wir haben Vanillekipferl und Engelsaugen gebacken, was schon beim Einkaufen lustig wurde. Auf der Suche nach Haselnüssen kaufte ich Mandeln und Vanillezucker habe ich gar nicht gefunden so dass ich es mit Zucker und Vanillearoma ersetzt hatte, das Ergebnis war zu unserm Erstaunen sehr positiv, auch, wenn wir mit dem Gasofen ein wenig überfordert waren. Weihnachtsgeschenke zu finden stellte sich auch weniger leicht raus, ich musste nie wirklich Geschenke kaufen, aber gut. Aber auch diese Aufgabe wurde erledigt und von der Liste der Erledigungen gestrichen. Mit selbst gebastelter Weihnachtsdekoration wartete ich dann mit Aufregung auf mein Xmas-Paket von meiner Familie. Naja, es war wie im Himmel als ich es geöffnet habe: Christstollen, Lebkuchen, Kinderschokolade, Maoam, Blubbs-Tee (ein Kräutertee) und das Beste, wie ich sie nenne, Uroma-Kekse. Ich weiß nicht, wie sie wirklich heißen, ich hab sie nur immer bei meiner Uroma gegessen und sie danach sogenannt. Aber kommen wir mal zum 24.12. Heiligabend, der Tag, der bei uns Zuhause immer den gleichen Ablauf hat, aber wie ist es hier? Wann tust du was? Was ziehst du an? Fragen über Fragen, die ich mir gestellt habe, nun musste ich es aber einfach auf mich zukommen lassen. Ich habe mit einem Truthahn gekämpft weil ich nicht wusste wie oder was man von ihm essen konnte. Wir haben 1000 Fotos gemacht. Und haben dann den Countdown bis Mitternacht runter gezählt, mit Sekt an gestoßen und jeder hat ein paar Worte gesagt. Danach gab es Geschenke, diese lagen aber nicht unter dem Baum, nein jeder hat sie aus seinem Zimmer geholt und den andern gegeben. In der Zeit habe ich meine Familie sehr vermisst. Ein kleines Weihnachtsvideo von meine Familie hat meine Stimmung etwas auf Laune gebracht. So vergingen die Weihnachtstage anders um als bei mir in Deutschland, aber die Erfahrung, Weihnachten am andern Ende der Welt zu verbringen war eine Erfahrung, die ich mi nicht mehr nehmen lasse und die ich auf keinen Fall rückgängig machen würde.

 Berit